1. Internationales Diesel-Fly-In auf der „Hub“ mit Gästen aus ganz Europa

BREITSCHEID - Was den Automobilisten recht ist, scheint den „Aerodynamikern“ billig. Die himmlische Dieselfraktion rüstet auf. Auch in der Allgemeinen Luftfahrt gewinnt das „Edelheizöl“ als Treibstoff an Bedeutung – schon allein aus Kostengründen. Zögerlich zwar noch, aber konstant satteln die Flugzeugeigner um und fahren, pardon, fliegen gut dabei – vor allem auch preiswert. Den eigenen Geldbeutel freut’s, die Umwelt auch. Dieser Entwicklung auf dem aeoronautsichen Hardwaremarkt trägt die Luftsportgruppe Breitscheid.-Haiger am Pfingstwochenende Rechnung. Die Piloten von der „Hub“ laden von Freitag (25. Mai) bis Sonntag (27. Mai) zum ersten internationalen „Diesel-Fly-In“ auf ihren Westerwaldflugplatz ein und erwarten neben namhaften Ausstellern aus Industrie und Luftfahrttechnik fliegendes Personal und Kollegen aus vielen Ländern Europas. Garniert wird die dem Erfahrungsaustausch, der Fortbildung, Information und Geselligkeit dienende Konferenz durch ein attraktives Rahmenprogramm für die interessierte, flugbegeisterte Öffentlichkeit, das auch „Otto-Normal-Verbraucher“ und Fußgänger auf ihre Kosten kommen lässt.
Die Breitscheider waren seinerzeit – vier Jahre ist’s jetzt her – die Ersten, die damit begannen, ihre Luftflotte entsprechend zu modernisieren. Sie spendierten ihrer Vereins-Cessna 172 einen 135 PS starken, Turbolader gestützten Thielert-Motor, mit dessen Hilfe das Ding seitdem in bester „Geiz-ist-geil“-Manier durch die Gegend brummt. Die Ersparnis bei den Treibstoffkosten ist frappant. Zahlen die Herrn Flieger für den Liter Normal.Sprit (Avgas) im Schnitt stolze (und ärgerliche) 2,10 Eurodollar, kostet Diesel fast die Hälfte weniger – fast:1,13 EUR. Und das Stöffchen unterscheidet sich in der Zusammensetzung nicht von dem Zeug’s, dass die D-Kraftfahrer an den Straßen gestützten Zapfstellen fassen. Es ist identisch. Angenehmer Nebeneffekt auch beim Diesel-Fliegen: Die Motoren haben wesentlich weniger Durst. Und das rechnet sich, trotz ihres höheren Gewichtes, dann auf die Dauer schon.
Breitscheider am Himmel über Afrika
Nun sind die Diesel-Flyer, die, sollte ihr „Lebenselixier“ mal nicht verfügbar ist, auch mit dem allerdings wesentlich teureren Kerosin (Jet-A1) Vorlieb nehmen, keinesfalls schwachbrüstig oder gar unzuverlässig. Dass das Gegenteil zutrifft, hat unlängst ja erst der Breitscheider Hartmut Hoffmann mit seiner „Humanitären Flugmission“ nach Afrika eindrucksvoll bewiesen. Begleitet von zwei Freunden (Kurt Schaible und Dietmar Rotter) hatte der Erdbacher Diplom-Ingenieur dabei mit und in der „ollen“, rot-weiß-lackierten LSG-Mühle stattliche 16.000 Luftkilometer abgerissen. Ob, wie auf der Hinreise, am Himmel über Italien, Griechenland oder Ägypten, oder daselbst über dem Sudan, Kenia, Uganda; Tanzania oder Äthiopien, nicht ein einziges Mal ließ die „Uniform-Zulu“ ihre Besatzung im Stich.
Die fidelen Drei sind inzwischen wohlbehalten und mit vielen Eindrücken und neuen Erfahrungen im Gepäck in die Heimat zurückgekehrt. Über ihre Abenteuer wollen sie im Rahmen des „Fly-In“ in Wort und Bild Rede und Antwort stehen. Ihr interessantes, mit vielen prächtigen Fotos illustriertes Flugtagebuch ist übrigens im
Internet als Blog nach zu lesen.
Der Diesel lernte schon in den 30-er Jahren Fliegen
Dieselgetriebene Flugzeugmotoren sind keine Erfindung der Neuzeit. Schon vor dem zweiten Weltkrieg hatte sich Prof. Dr. Hugo Junkers daran versucht und mit dem „Jumo 205“ ein viel versprechendes, zukunftsweisendes Produkt vorgelegt. Der Krieg verhinderte jedoch weitere Entwicklungen daran. Mehr oder weniger „serienreif“ sind die „Diesler“ erst Anfang des neuen Jahrtausends geworden, wobei deren Entwicklung durch die in Hamburg und in Sachsen ansässige Firma Frank Thielert vorangetrieben wurde. Über tausend Kraftpakete hat das Unternehmen inzwischen von seinen Bestsellern abgesetzt. Als Basismodel diente den Konstrukteuren dabei ein Motor des A-Klasse-Mercedes.
Gängige Praxis ist es (noch), bestehende Flugzeuge einfach umzurüsten, was natürlich erst einmal nicht ganz billig ist. Für den Preis muss Oma nämlich lange stricken. So eine Investition lohnt sich erst dann, wenn die Jahreskilometerleistung auch entsprechend hoch ausfällt. Bislang gibt es erst ein Serienflugzeug, in das ein Dieselmotor von Hause aus eingebaut ist: die Diamond DA 40 aus Österreich. Eine solches wird auch beim Fly-In in Breitscheid zu bestaunen sein, ebenso natürlich viele andere, nachträglich umgerüstete Flugzeugtypen aus dem Diesellager. Wessen Geistes Kind die Pferdchen sind, die unter deren Haube dröhnen, ist für das ungeübte Ohr nicht auszumachen. Das Motorgeräusch unterscheidet sich nicht von dem Gebrumm eines herkömmlichen Antriebs.
Für die Besucher an allen Tagen Rundflüge in Oldtimern
Dafür, dass während der aeronautischen Pfingstkonferenz auf der „Hub“ auch das Nicht-Fach-Publikum auf seine Kosten kommt, soll gesorgt sein. Zwar wollen die Veranstalter auf Flugvorführungen und Showflüge verzichten, doch gibt es auch ohne solche viel zu sehen und zu bestaunen. Von der Ausstellung der vielen Gast-Maschinen einmal ganz abgesehen, warten hier zahlreiche prächtige Oldtimer auf Passagiere. Wer will, kann in einer T-6, einem betagten, offenen Stearman-Doppeldecker oder in einer Piaggio ein paar luftige Runden drehen, ebenso in Motor- und Segelflugzeugen der neuen und neuesten Generation. Darüber hinaus hat sich auch ein kleines Ultraleicht-Geschwader angesagt. An Info-Ständen stehen die Gastgeber zu allen Fragen rund um die Fliegerei Rede und Antwort und informieren über Ausbildung, Voraussetzungen und Kosten zum Erwerb des Luftfahrerscheins. Einlass finden interessierte Besucher am Samstag und Pfingstsonntag jeweils ab 10 Uhr, wobei die Küche daheim an diesen Tagen ruhig kalt bleiben kann.
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