Fly-In in Breitscheid: Mit Diesel im Tank am Himmel
Sparsame Motoren schonen den Geldbeutel und die Umwelt / Viele Besucher "Rund um den Tower"
BREITSCHEID (-) Sie wirken ganz "NORMAL", sind "SUPER", begnügen sich aber mit "DIESEL". Erst ein Blick unter die Haube verrät dem Eingeweihten, aus welchem Stall die darunter wiehernden Pferdchen sind. Dieselmotoren erfahren auch in der Allgemeinen Luftfahrt immer mehr Aufmerksamkeit, wenngleich sie, was den Grad ihrer Verbreitung anbelangt, immer noch ein Mauerblümchendasein fristen. Aber das wird sich ändern. Und diese "Zweckentfremdung" hätte sich Rudolf Diesel, der Urvater dieser eigentlich für den Schiffsantrieb entwickelten Antriebe weiland sicherlich auch nicht träumen lassen.
Auf der Breitscheider "Hub" haben sich am vergangenen Wochenende "Heizöl-Ferraris" der aeronautischen Art ein großes Stelldichein gegeben. Die hiesige Luftsportgruppe war Gastgeber des 1. europäischen Diesel-Fly-Ins. Piloten mit entsprechend modifizierten und ausgerüsteten Maschinen aus ganz Deutschland und den Nachbarländern waren herangebrummt. Viele potentielle Konferenz-Teilnehmer hatten sich zu Beginn zunächst durch die Schlecht-Wetter-Meldungen davon abhalten lassen, den Westerwald-Flugplatz anzusteuern. Sie kamen nach und nach im Laufe des zweiten Veranstaltungstags am Samstag hereingeschwebt, sodass sich die für sie reservieren Abstellflächen nach und nach doch noch füllten.
Innere Werte
Von außen sind die "Diesel-Bomber" von ihren Normalsprit (Avgas) schluckenden Schwestern und Brüdern nicht zu unterscheiden. Die inneren Werte sind ausschlaggebend. Und die können sich in Heller und Pfennig, Euro und Cent niederschlagen. Geiz ist geil - auch in der Luftfahrt. Von einer bis zu 70-prozentigen Kostenersparnis berichteten die Hersteller entsprechend modifizierter Motoren während des Symposiums. Da sind geringerer Verbrauch und Wartungsaufwand schon eingerechnet. Aber allein die Differenz beim Spritpreis ist frappierend. Für Avgas löhnen die Piloteure 2,10 EUR pro Liter, Diesel ist mit 1,13 EUR fast um die Hälfte billiger zu haben.
Es gibt zwei europäische Hersteller, die entsprechende Motoren zur Nachrüstung bereits im Einsatz stehender Flugzeuge anbieten: die französische Firma SMA und deutsche Firma Thielert, von der auch die Breitscheider das Kraftpaket für ihre Cessna 172 bezogen haben. Als Basismodell diente dabei übrigens ein Motor des A-Klasse-Mercedes. Beide Unternehmen waren am Wochenende präsent und standen dem Fachpublikum Rede und Antwort. Bislang beschränkt sich die Palette auf drei Varianten mit 135, 230 und 310 PS. Weltweit gibt es nur einen Flugzeughersteller, der Diesel bereits von Hause aus und serienmäßig offeriert: Diamond-Aircraft aus Österreich. Deren DA 40 TDI durfte in der Parade der zur Schau gestellten Musterflugzeuge natürlich nicht fehlen. Da gab es auf den Abstellflächen und in den Hangars viel zu fachsimpeln zu bereden.
Haarsträubende Geschichten
Aber auch die technisch weniger versierten Besucher kamen auf ihre Kosten. Hoch interessant waren da vor allem die Vorträge des Erdbachers Hartmut Hofmann über seine dreiwöchige (natürlich dieselgetriebene) Flugmission in Afrika sowie die abenteuerlichen Schilderungen des kongolesischen Buschpiloten Ron Pontier, den er während seiner Reise in Uganda kennen gelernt und nach Breitscheid eingeladen hatte. Pontier unternimmt im Auftrag von nichtstaatlichen Hilfsorganisationen Versorgungsflüge in den bürgerkriegsgeschüttelnten Kongo. Und was er dabei alles erlebt, ist haarsträubend…..
Gut angenommen wurden auch die Angebote, in historischen oder modernen Flugzeugen ein paar Runden über dem Westerwald zu drehen - als Passagier, versteht sich. Vor allem die Harvard T 6 und die Boeing "Stearman", ein offener ehemaliger US-Navy-Doppeldecker, waren bei Rundfluginteressierten sehr gefragt. Dahingehend gibt es auch am Sonntag, dem dritten und letzten Konferenztag, noch einen Nachschlag.
2008 wieder eine große internationale Airshow
Mit der Resonanz auf ihre mit "Rund um den Tower" betitelten "Tage der offenen Tür" durften die Gastgeber letztlich zufrieden sein, auch wenn sie ausklangen, wie sie begonnen hattet: Feucht. Hinter den Kulissen haben derweil schon die Planungen für das nächste Jahr begonnen. 2008 soll es auf der "Hub" wieder einen "richtigen" großen internationalen Flugtag geben. Verhandlungen mit Staffeln und Solisten aus ganz Europa laufen bereits. Mit ihren fürtslich bestückten Air-Shows in den vergangenen Jahren haben sich die Westerwälder Piloten dahingehend selbst in Zugzwang gebracht und für sich die Latte recht hoch gehängt. Daran werden und wollen sie sich messen lassen. Man darf gespannt sein.
JÜRGEN HEIMANN